ADHS, AUTISMUS & HSP
Neurodivergenz verstehen. Das eigene Nervensystem besser
kennenlernen.
Autismus
Autismus beschreibt eine besondere Art, die Welt wahrzunehmen, zu verarbeiten und mit ihr in Kontakt zu treten. Viele autistische Menschen erleben ihren Alltag als intensiv, detailreich und reizvoll – gleichzeitig aber auch als schnell überfordernd und erschöpfend.
Häufig besteht ein starkes Bedürfnis nach Klarheit, Eindeutigkeit und einem tieferen Verständnis für Zusammenhänge. Soziale Situationen werden oft bewusster analysiert und Reize intensiver wahrgenommen als bei neurotypischen Menschen.
Gleichzeitig zeigen sich bei vielen autistischen Menschen besondere Stärken wie Ehrlichkeit, Kreativität, intensive Interessen, analytisches Denken oder eine tiefe Wahrnehmung für Details und Stimmungen. In meiner Arbeit geht es darum, autistisches Erleben differenziert zu betrachten und einen Umgang zu entwickeln, der sich langfristig stimmig und entlastend anfühlt.
Weiblicher Autismus
Auf die leise Weise... Autismus bei Frauen bleibt häufig lange unerkannt, da viele Betroffene früh lernen, sich anzupassen und ihr Erleben nach außen hin zu maskieren. Statt deutlich aufzufallen, stehen oft innere Anspannung, Erschöpfung oder das Gefühl im Vordergrund, anders zu sein und trotzdem funktionieren zu müssen.
Viele Frauen beschreiben, soziale Situationen bewusst zu analysieren, Erwartungen anderer zu übernehmen und eigene Bedürfnisse lange zurückzustellen. Dieses dauerhafte Anpassen kann mit der Zeit zu Überforderung, Identitätsunsicherheit und einem Verlust der Verbindung zum eigenen Erleben führen.
Gleichzeitig zeigen sich häufig intensive Interessen, ein ausgeprägtes Detailbewusstsein, Kreativität und eine tiefe Wahrnehmung für Stimmungen und Zusammenhänge.
Masking & Erschöpfung
Viele neurodivergente Menschen lernen früh, sich anzupassen und nach außen möglichst unauffällig zu wirken.
Dieses sogenannte Masking kann dazu führen, dass eigene Bedürfnisse, Überforderung und Erschöpfung lange unbemerkt bleiben. Besonders bei Frauen zeigt sich neurodivergentes Erleben häufig eher nach innen gerichtet – verbunden mit Selbstzweifeln, Anpassungsdruck und dem Gefühl, dauerhaft funktionieren zu müssen.
Langfristig kann dieses ständige Anpassen zu innerer Erschöpfung und dem Verlust der Verbindung zum eigenen Erleben führen.
ADHS
Viele Menschen mit ADHS erleben ihren Alltag als intensiv, schnell und innerlich unruhig. Gedanken springen, Reize werden gleichzeitig wahrgenommen und selbst einfache Aufgaben können plötzlich überwältigend wirken.
Gleichzeitig zeigt sich häufig eine starke Begeisterungsfähigkeit, Kreativität und die Fähigkeit, sich tief in bestimmte Themen zu vertiefen. Viele Betroffene erleben sogenannte Hyperfokus-Zustände, in denen sie vollkommen in einer Sache aufgehen.
Besonders bei Erwachsenen – und häufig auch bei Frauen – bleibt ADHS lange unerkannt. Statt äußerer Hyperaktivität stehen oft innere Anspannung, Erschöpfung, Reizüberforderung oder das Gefühl im Vordergrund, ständig funktionieren zu müssen.
In meiner Arbeit geht es darum, diese Zusammenhänge besser zu verstehen und einen individuell passenden Umgang mit dem eigenen Nervensystem zu entwickeln.
Hochsensibilität · HSP
Hochsensibilität beschreibt ein besonders sensibles Nervensystem, das Eindrücke, Reize und Emotionen intensiver verarbeitet. Viele hochsensible Menschen erleben ihren Alltag dadurch gleichzeitig als bereichernd und schnell überfordernd.
Häufig besteht eine starke Wahrnehmung für Stimmungen, Zwischentöne und emotionale Dynamiken. Dinge werden tiefer verarbeitet und länger nachgespürt, wodurch Erlebnisse oft eine größere Bedeutung bekommen als für weniger sensible Menschen.
Gleichzeitig kann eine reizintensive Umgebung schnell zu innerer Überforderung, Erschöpfung oder dem Bedürfnis nach Rückzug führen. Viele hochsensible Menschen erleben daher das Gefühl, „zu empfindlich“ oder anders zu sein, obwohl ihr Nervensystem schlicht intensiver wahrnimmt und verarbeitet.
In meiner Arbeit geht es darum, Hochsensibilität nicht als Schwäche zu betrachten, sondern einen stimmigen Umgang mit dem eigenen Nervensystem und den damit verbundenen Bedürfnissen zu entwickeln.
Wenn herkömmliche Ansätze
nicht greifen
Viele neurodivergente Menschen berichten, dass herkömmliche Ansätze für sie nicht immer passend oder langfristig hilfreich sind. Häufig liegt das daran, dass diese Ansätze auf neurotypischen Annahmen über Wahrnehmung, Verhalten und Regulation basieren.
Neurodivergentes Erleben wird dabei häufig primär unter dem Blickwinkel von Defiziten oder Anpassung betrachtet, obwohl viele Herausforderungen erst im Zusammenspiel mit äußeren Erwartungen und dauerhafter Überforderung entstehen.
In meiner Arbeit geht es deshalb darum, das eigene Nervensystem und individuelle Verarbeitungsmuster differenziert zu verstehen, statt sich dauerhaft an äußere Erwartungen anzupassen.
Ein erster Schritt zu mehr Selbstverständnis
Neurodivergentes Erleben kann den Alltag herausfordernd machen – insbesondere dann, wenn Überforderung und Anpassungsdruck dauerhaft präsent sind.
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Erste Schritte können darin bestehen, die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen, persönliche Grenzen bewusster wahrzunehmen und Überforderung nicht dauerhaft zu ignorieren.
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Oft beginnt Entlastung nicht damit, anders zu werden, sondern das eigene Nervensystem besser zu verstehen.